Oberfranken

Bamberg für Aufsteiger: Die Altenburg Bamberg

Burg in Bamberg - die Altenburg

Komasaufen, Anno 1553. Fünf Männer, ein Trinkgelage, vier Tote. Der Fünfte wacht nach vier Tagen auf, und macht weiter. Sein Name: Markgraf Albrecht Alcibiades von Brandenburg-Kulmbach. Damals gab es noch niemanden, der eine Alkoholvergiftung via Magenauspumpen und Glukoseinfusion bekämpft hätte. Er wird wenig später die Altenburg Bamberg plündern und niederbrennen. Aber das kommt noch.

Zunächst zur Burg selbst. Wie Rom rühmt sich auch Bamberg damit, auf sieben Hügeln erbaut worden zu sein. Man gönnt sich ja sonst nichts. Auf dem höchsten dieser Hügel residierten viele Jahre lang Fürstbischöfe, und wer von den unteren Chargen, dem niederen Plebs, etwas von den edlen Herren wollte, musste sich auf den beschwerlichen Weg zur Altenburg Bamberg machen.

Oben auf der Altenburg Bamberg: Der Palas
Oben auf der Altenburg Bamberg: Der Palas

Von der ursprünglichen Burg finde ich heute nicht mehr viel, auch wenn die Gebäude auf den ersten Blick noch alt wirken. Dabei ist die Geschichte der Altenburg Bamberg älter als ihr Aussehen vermuten lässt. Erstmals urkundlich erwähnt wird sie 1109, als Bischof Otto I. sie dem Kollegiatstift St. Jakob schenkte. Ihr genaues Alter aber kennt niemand. Den Vermutungen nach bestand bereits ein Bau aus dem 9. Jahrhundert, wofür schon der Name der Burg spräche. Damals war die Altenburg eine Fliehburg: kein fester Bewohner, nur ein Schutzort, zu dem die Stadtbevölkerung in Krisenzeiten flüchten konnte. Von 1305 bis 1553 war sie dann die zweite Residenz der Bamberger Fürstbischöfe. Ihre eigentliche Glanzzeit erlebte die Burg unter Fürstbischof Georg III. Schenk von Limpurg im frühen 16. Jahrhundert Hier gingen Albrecht Dürer und ein gewisser Doktor Faustus ein und aus.

Faust war hier, der echte

Nicht der von Goethe. Wobei, den von Goethe hat es auch gegeben. Der historische Johann Georg Faust, wandernder Alchimist, Magier und Astrologe, war das reale Vorbild für die berühmteste Figur der deutschen Literatur. Schon zu Lebzeiten war er Legende: Er behauptete, die Wunder Christi wiederholen zu können, und im Volksglauben galt er zunächst sogar als positiver Held. Puppenspiele, Jahrmarktsgeschichten, Christopher Marlowes Theaterstück, der Faust-Stoff war längst Volksgut, als Goethe ihn aufgriff. Goethe machte aus dem schillernden Scharlatan den Menschen, der alles wissen will und dafür alles riskiert. Das war sein Thema und der historische Faust war nur der Aufhänger.

Und dieser echte Faust war 1520 auf der Altenburg. Er kam nach Bamberg, um dem Fürstbischof Georg III. Schenk von Limpurg ein Horoskop zu erstellen. Der Bischof zahlte ihm dafür 10 Gulden, nachzulesen ist das im bischöflichen Kassenbuch. Ob das Horoskop den Bischof vor seinem Tod zwei Jahre später gewarnt hat, ist nicht überliefert. Vermutlich nicht,  sonst hätte er wohl auf die Altenburg verzichtet, wo er 1522 starb.

400 Wagen voller Beute

So weit die Glanzzeit. Dann kam Alcibiades, der jedem diente, der ihn bezahlte, und sich als junger Mann lieber um Waffen und Pferde kümmerte als um Religion oder Kultur. 1553 zog er vor Bamberg und drohte damit, die ganze Stadt niederzubrennen, sollte man ihm die Burg nicht übergeben. Die Bamberger opferten die Altenburg, die gar nicht ihnen, sondern den Fürstbischöfen gehörte und Albrecht fielen ungeheure Schätze in die Hände. Angeblich benötigte er 400 Wagen, um alle Reichtümer abzutransportieren. Die Bamberger hatten wohl kalkuliert: Die Schätze gehörten den Pfaffen, die geschonte Stadt aber den Bürgern. Danach ließ Alcibiades die Burg abbrennen. Nur der Bergfried und einige Kellergewölbe blieben übrig.

Palas neu errichtet

Der Palas ist das eigentliche Wohnhaus der Altenburg Bamberg, in dem früher die Bischöfe residierten. Das aktuelle Bauwerk wurde erst vor rund 100 Jahren auf den alten Kellern neu errichtet und sieht wie ein neugotisches Herrenhaus aus. Mit dem ursprünglichen Bau hat es nicht mehr viel gemein – jede Zeit pflegt eben ihren eigenen ästhetischen Stil. Durch die Fenster kann ich linsen, die Türen aber bleiben geschlossen.

Bergfried Altenburg Bamberg
Bergfried Altenburg Bamberg

Am Bergfried hängt ein Feuerkorb. Was macht der da? Zunächst vermuteten Historiker, dass er einst an der Giechburg als Signalgeber gedient habe. Doch weder an der Giechburg noch an der Altenburg fand sich in den Archiven eine passende Rechnung – und ohne Rechnung weiß niemand so genau, wozu etwas da ist. Oder ob es überhaupt ein Feuerkorb ist. Inzwischen nehmen die Historiker an, dass das Ding so um 1900 montiert wurde: Gab es eine Festlichkeit auf der Burg, konnte diese mit bengalischem Feuer beleuchtet werden. Haben die damals ihre Ausgaben nicht mehr vollständig für die Ewigkeit notiert? Nun denn.

Seit 1818 kümmert sich der Altenburgverein um die Erhaltung der Burg, und er war dabei seiner Zeit weit voraus: Er gilt als erster Denkmalschutzverein in Bayern überhaupt. Dass manches an der heutigen Anlage wohl neu erfunden wurde, störte die Vereinsgründer vermutlich wenig.

Eingang zur Altenburg Bamberg

Eingang zur Altenburg Bamberg

Poldi in der Nische

Ein Gitter in einer Nische der dicken Burgmauer hindert einen ausgestopften Bären am Weglaufen. In diesem Mauerloch wohnte tatsächlich einmal Burgbär Poldi, von 1952 bis 1982 lebte er in einem Zwinger der Burg, dreißig Jahre lang hatte er hier seine Kemenate und ein bisschen Auslauf im Burggraben.

An der Burgmauer lehnt ein kleines Häuschen. Hier erholte sich ETA Hoffmann, wie eine daran montierte Tafel verrät. Wovon musste er sich eigentlich erholen? Vom Leben unten in der Stadt, der dumpfen Enge alter Gassen, vom Punsch und dem Gesicht des Apfelweibleins, in welches sich der Türklopfer verwandelt hatte? Tatsächlich war er nicht nur zu Besuch: E.T.A. Hoffmann lebte zwischen 1808 und 1813 im Obergeschoss eines Mauerturms und ließ sich von der mittelalterlichen Atmosphäre inspirieren. Auf der Altenburg Bamberg ist die Luft klar, und die Flugzeuge zeichnen ein weißes Streifengitter in das Blau. Der Blick geht weit über die Stadt hinweg.

Ein Bergfried als Wehrturm

Aufzugwinde in der Altenburg Bamberg
Aufzugwinde in der Altenburg Bamberg

Hinein in die Altenburg führt eine Steinbrücke über einen Graben. Hinter dem Tor hängt noch die große Holzwalze mit aufgewickelter Zugbrückenkette. War die Klappe zu, war die Burg sicher. Oder wenigstens fast. Bis eben der Markgraf kam.

Hinter dem dunklen Torhaus, in dessen ehemaliger Torwächterstube die Burgkapelle liegt, ragt der mächtige Bergfried auf. Als echter Wehrturm besitzt er eine Tür in luftiger Höhe. Wer hineinwollte, musste auf die Leiter steigen. War keine da, saßen oben alle in Sicherheit. Allerdings dürfte bei einer längeren Belagerung die Versorgung schwierig werden. Oder? Ist eines Tages das letzte Fleisch gegessen, das letzte Wasser faulig und das letzte Brot verschimmelt, werden sie merken, dass man Steine nicht essen kann, nach einer leicht abgewandelten Weissagung der Indianer.

Altenburg Bamberg heute: Essen mit Aussicht

Bamberg ist UNESCO-Weltkulturerbe – schon allein deswegen lohnt sich ein Besuch. Die Altenburg Bamberg thront hoch über der Stadt und ist bereits von weitem zu sehen. Wer dem engen Gewirr der Altstadtgässchen und dem Gedränge der Besucher entfliehen möchte, findet hier oben Luft, Weite und einen guten Überblick.

Im Restaurant Altenburg 1, das seit März 2025 unter neuem Pächter läuft, gibt es fränkische Küche und Bamberger Bier – Montag und Dienstag Ruhetag, Mittwoch bis Samstag ab 11:30 Uhr, Sonntag bis 16:00 Uhr. Die übrigen Räume werden für Veranstaltungen genutzt. Rund um den Berg lässt sich wunderbar wandern – der Kontrast zum Getümmel in der Stadt könnte kaum größer sein.

Praktische Infos zur Altenburg Bamberg

•Adresse: Altenburg 1, 96049 Bamberg

•Anfahrt: Zu Fuß vom Bamberger Zentrum ca. 30–40 Minuten bergauf; mit dem Auto über die Altenburgstraße, Parkplatz vorhanden
•Restaurant Altenburg 1: Mi–Sa ab 11:30 Uhr, So 11:30–16:00 Uhr, Mo+Di Ruhetag
•Bergfried: Besichtigung möglich, Eintritt gering
•Verein zur Erhaltung der Altenburg: gegründet 1818, erster Denkmalschutzverein Bayerns
•UNESCO-Weltkulturerbe: Bamberg seit 1993

FAQ zur Altenburg Bamberg

Wo liegt die Altenburg Bamberg?
Die Altenburg Bamberg liegt auf dem höchsten der sieben Bamberger Hügel, oberhalb der Altstadt. Die Adresse lautet Altenburg 1, 96049 Bamberg.

Wann wurde die Altenburg Bamberg erbaut?
Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1109. Historiker vermuten jedoch, dass bereits im 9. Jahrhundert ein Vorgängerbau existierte.

Was ist heute in der Altenburg Bamberg?
In der Altenburg befindet sich das Restaurant Altenburg 1 mit fränkischer Küche, außerdem werden die Räume für Veranstaltungen genutzt. Der Bergfried ist besichtigbar.

War der echte Doktor Faust wirklich auf der Altenburg?
Ja. 1520 erstellte Johann Georg Faust, das historische Vorbild für Goethes Figur, auf der Altenburg ein Horoskop für Fürstbischof Georg III. Schenk von Limpurg. Die Zahlung von 10 Gulden ist im bischöflichen Kassenbuch dokumentiert.

Wie komme ich zur Altenburg Bamberg?
Zu Fuß vom Bamberger Zentrum in ca. 30–40 Minuten bergauf, oder mit dem Auto über die Altenburgstraße mit Parkplatz direkt an der Burg.

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