Mittelfranken

Bouldern trotz Corona

Bouldern trotz Corona – das geht selbst dann, wenn der Radius pandemiebedingt auf 15 Kilometer eingeschränkt wird. Kleine Felsen und andere Gelegenheiten finden sich fast überall

Das kleine Stück Felsen ist vielleicht gerade einmal neun Quadratmeter groß. Trotzdem legt Uwe Schönfisch das Crashpad aus, eine weiche Matte, mit der sich ein eventueller Sturz abfangen lässt. An den Stellen, die er als potentielle Griffe und Tritte identifiziert, bürstet er Moos und lose Steinchen gründlich ab. Für einen festen Griff darf hier nichts rutschen.

Uwe Schönfisch am Beetlejuice

Viele unbekannte Möglichkeiten zum Bouldern

Bouldern lässt sich selbst in Corona-Zeiten, weiß der ausgebildete Kletterlehrer und Höhenarbeiter, der mit seinen Outdoor Services überall dort unterwegs ist, wo es hoch hinaus geht. In einem Umkreis von 15 Kilometern rund um seinen Wohnort Erlangen gibt es eine Menge Kletterspots, relativ unbekannt und fürs Bouldern gut geeignet. Die drei kleinen Steinbrüche unweit von Baiersdorf sind nur einige von vielen, berichtet Schönfisch.

Die meisten Routen bleiben unmarkiert

Auf dem Weg durch den Wald, der an den drei Steinbrüchen entlang führt, sind viele Spuren zu sehen: Hier laufen Spaziergänger, ob mit oder ohne Hund, hier führen Reiter ihre Pferde aus. Doch zu den Felsen selbst, an denen noch die Schleifspuren der Steinbrecher zu sehen sind, führen noch keine Tritte. Schönfisch bahnt sich seinen Weg durch den Schnee, er weiß genau, wo es langgeht. An den Steinen sind einige kleine Pfeile zu sehen: Damit sind Boulderrouten markiert, erklärt der Kletterexperte. Da jedoch der Ehrenkodex beim Bouldern besagt, dass nichts in der Natur verändert wird, sind die meisten Routen unmarkiert.

Bouldern fordert die Kreativität

Crashpad fürs Bouldern

„Ich muss die richtige Reihenfolge der Griffe und Tritte selbst entschlüsseln“, findet Uwe Schönfisch und vergleicht Bouldern mit einem Tanz, der viel Kreativität und jede Faser des Körpers fordert. Überhaupt gebe es für jede Route keine vorgegebene Lösung, jeder muss seinen eigenen Weg finden. Während beim Klettern mit Haken und Seilen gesichert wird, sorgt beim Bouldern nur das Crashpad auf dem Boden für die Sicherheit. Dafür ist die Kletterhöhe deutlich geringer: „Es geht nicht über die Absprunghöhe hinaus“, versichert Schönfisch und zeigt, dass die meisten Routen nicht mehr als mannshoch sind.

Damit weder Laub noch Schnee den Grip der weichen Kletterschuhe ändern, legt Schönfisch jeweils einen kleinen Teppich rechts und links neben der Matte aus. Von hier aus kann er die Route starten, greift mit den Fingern in den Griff und sucht mit den Füßen Halt im Fels. Es kommt auf die richtige Technik an, erklärt der erfahrene Kletterer. Immerhin wird die Hauptlast beim Bouldern von den Füßen getragen.

Bouldern in der Nähe von Erlangen

Manche Routen tragen Namen

Die nach „Beetlejuice“ benannte Route, einem Geist aus einem Tim-Bourton-Film, ist recht knifflig, obwohl sie auf einen Laien zunächst einfach wirkt. Schönfisch beginnt immer wieder aufs Neue, sucht nach möglichen Tritten, rutscht ab. Es kommt auf die richtige Reihenfolge an, erklärt er, putzt weitere Griffe und Trittstellen mit der Zahnbürste blank und pudert die Finger mit Magnesia weiß.

Bouldern im Frankenjura

Während die Kalksteinfelsen der fränkischen Schweiz längst bekanntes Eldorado für Kletterer und Boulderfreunde sind, ist das bei den Sandsteinfelsen anders. Diese warten an vielen Stellen noch darauf, dass sie entdeckt und aus dem Dornröschenschlaf geweckt werden. Im Steigerwald, in den Hassbergen, in Weinfranken, aber auch rund um Erlangen, Nürnberg und im Frankenjura gibt es jede Menge von ihnen. Bouldern ist trotz Corona möglich.

Trial Park in Erlangen zum Bouldern

Auch in Erlangen selbst gibt es frei zugängliche Spots, die meisten von ihnen werden momentan nicht genutzt. Das gilt für einen öffentlichen Spielplatz mit Kletterwand und Weichboden, das gilt auch für einen als „Trial Park“ mitten in Erlangen angelegten Parcours.

 

Sieben Tipps fürs Bouldern

    1. Die passenden Schuhe: Fürs Bouldern ist der gute Halt an den Felsen wichtig. Die Sohle sollte über ausreichend Grip verfügen.
    2. Eine Auswahl an Bürsten: Mit diesen säuberst du die Griffe und Tritte an den Felsen.
    3. Chalk, auch als Magnesia bekannt. Das weiße Pulver wird zur Markierung der Griffe und Tritte, aber auch zum Trocknen der Hände benutzt.
    4. Bouldern ist kreativ: Jede Route hat ihre ganz spezielle Lösung – die kann für jeden auch ganz unterschiedlich aussehen.
    5. Das Crashpad wirklich am Fels auslegen. Es schützt bei einem eventuellen Sturz.
    6. Die Schuhe auf einem kleinen Teppich an- und ausziehen: So bleibt der Grip.
    7. Einfach anfangen. Die Übung kommt mit der Zeit.

Der Standort der Steinbrüche in Baiersdorf: Hier ist der Beetlejuice zu finden

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