Unterfranken

Im Weinparadies Franken unterwegs

Im Herbst ist Zeit zur Traubenlese. Noch bevor sich die Blätter im Weinberg bunt färben, werden im Weinparadies Franken die Trauben gelesen. Das ist – früher wie heute – in den steilen Lagen Gemeinschaftsarbeit.

Die Trauben werden reif und süß

Färben sich die Beeren an der Traube, werden sie goldgelb, weich und süß. Die Blätter der Rebe produzieren in der Sonne Zucker und speichern ihn in den Früchten. Gleichzeitig wird dabei die Säure der noch unreifen Beeren abgebaut. Gab es im Sommer ausreichend Licht und Wärme, werden die Trauben süßer und der Alkoholgehalt des daraus gekelterten Weines steigt. Im Refraktometer wird das Mostgewicht der Weinbeeren gemessen und in Oechsle angegeben. Doch egal, was die Technik sagt: Die Winzer probieren, ob die Trauben wirklich süß und saftig und damit reif sind, pflücken hier und da eine, stecken sie sich in den Mund und kosten.

Reife Trauben im Weinberg. Selbst ein Schmetterling kommt zum Naschen

Zeit zur Weinlese im Weinparadies Franken

Steil geht es für den kleinen Traktor den Weinberg hinab.

Zeit zur Weinlese. Mit der Hand wird allerdings nur noch in steilen Lagen der Wein gelesen. Alles andere übernimmt der Vollernter. Das ist zwar weniger romantisch, dafür aber wesentlich schneller und effektiver. Im Weinparadies Franken, in Bullenheim, dicht an der Weinparadiesscheune, gibt es einige steile Lagen, in denen diese Handarbeit allerdings noch nötig ist. Hier hat selbst der kleine Traktor Mühe, den steilen Berg zu bezwingen und sicher von oben nach unten und zurück zu fahren. Eine solche Weinlese ist eine wunderbar gesellige Angelegenheit: In aller Frühe kommen Familie, Freunde und weitere Helfer der Winzer. Gemeinsam geht es in den Weinberg mit den Silvanerreben. Jeder bekommt Schere und Eimer, dann geht es paarweise an den Rebreihen steil bergauf.

Paarweise wird Wein gelesen

Winzerin Michelle Krämer von Weinbau Krämer teilt mich mit Erwin an den Rebreihen ein. Er ist erfahren in der Weinlese, und zeigt mir, wo ich die Schere an den Stielen ansetzen soll. Manche Trauben fallen mit einem Schnipp der Schere in den Eimer, andere dagegen klammern sich regelrecht an den Weinstock oder den Draht, an dem die Reben entlang gezogen werden.

Der Fuß steht unter dem Eimer. So kann er nicht kippen

Hier muss ich genau gucken, bis ich den Stiel der Traube finde. Erwin arbeitet sich langsam mit mir die Rebreihen aufwärts. Ich solle den Fuß auf der bergab gewandten Seite unter den Eimer stellen, rät er. Dann steht er gerade und kippt nicht. Ich könnte allerdings auch immer wieder die bergab kullernden Trauben aufsammeln.

 

Mit großartiger Aussicht auf Schloss Frankenberg

Blick über den Weinberg bis zum Schloss Frankenberg

Zunächst ist es noch neblig, der Himmel von Sonne nur leicht gerötet. Als wir zum ersten Mal oben in der Reihe ankommen, reißt der Nebel auf und gibt den Blick auf Schloss Frankenberg frei.

Was für eine Aussicht! Doch in der nächsten Rebenreihe geht es gleich wieder abwärts. Beim Arbeiten im Weinberg bleibt genug Zeit zum Unterhalten. Erwin will wissen, wo ich herkomme und was ich sonst so mache, erzählt mir im Gegenzug, dass er schon den Eltern bei der Weinlese half und über Jahrzehnte hinweg als LKW-Fahrer viel auf Achse unterwegs war.

 

Goldgelbe Trauben mit kleinen braunen Flecken

Gerade die Trauben, die mit kleinen braunen Flecken nicht mehr ganz schön aussehen, sind jedoch richtig reif, zeigt mir Erwin: „Wir haben früher dazu gesagt: Da hat der Hase drauf gebrunzt“.

Weinlese ist eine gesellige Angelegenheit

Als die Sonne schon hoch am Himmel steht, richtet die Winzerin ein Frühstück für alle. Die Kräfte sollen schließlich so lange reichen, bis die letzte Traube für heute gelesen ist. Es gibt Kaffee, Cola, Wasser und so viele belegte Brötchen, dass es für alle lässig reicht. Weil die Sonne inzwischen heiß vom Himmel brennt, erinnert Michelle Krämer immer wieder daran, genug zu trinken. Kurz nach dem Mittagsläuten ist die letzte Traube für heute gelesen. Es geht zurück zum Weingut. Die Trauben aus dem Weingut werden übrigens in der Winzergenossenschaft Franken zu Wein gekeltert.

Michelle und Tobias Krämer. Jetzt sind die Trauben geerntet.

Die große Doppeltür der Garage steht offen, auf den Tischen warten Brotzeit, Kaffee, Kuchen, frische Trauben und Bremser, wie hier Federweißer genannt wird. Alle Helfer suchen sich einen Platz, essen, reden, lachen, Kinder toben um den Tisch, bekommen gelegentlich einen Schokokuss auf die Hand, es herrscht eine gute Stimmung.

Winzerin und Kitzinger Kätherle

Michelle Krämer auf Weingenusstour

Die meisten Helfer gehören zur Familie, erklärt Michelle Krämer. Weil diese jedoch im Lauf der Jahre immer älter werden, geht die Winzerin auf der Suche nach Lesehelfern neue Wege und spricht beispielsweise ihre Follower auf Instagram an. Sie selbst hat in den Weinbaubetrieb eingeheiratet und war schnell davon begeistert: „Man wächst mit seinen Aufgaben“, erklärt sie und erzählt, dass sie inzwischen anerkannte Beraterin für deutschen Wein und Gästeführerin „Weinerleben Franken“ ist. Als „Kitzinger Kätherle“ lädt sie zu Weinführungen durch Kitzingen ein und ist in der Mönchsondheimer Kirchenburg als Museumsführerin aktiv.

Bocksbeutelexpress des VGN fährt im Weinparadies Franken

Blick über den Bullenheimer Judenfriedhof

Weil es im Weinparadies Franken so schön ist, verkehrt der „Bocksbeutelexpress“ , die Linie 109 des VGN schon seit über 20 Jahren vom 1. Mai bis 1. November zwischen den Bahnhöfen Iphofen und Uffenheim. Von Nürnberg aus fährt die Mainfrankenbahn in Richtung Würzburg, dann der Bus weiter nach Hüttenheim, dem Ort mit der größten Kirchenburg in Franken. Auf der VGN-Tour begleitete uns Michelle Krämer, wanderte am Hüttenheimer Judenfriedhof vorbei, hoch zum Kapellberg. Hier schenkte die Winzerin halbtrockenen Rotling aus, einen frischen Sommerwein, bevor sie mit uns hoch zur Kapelle der Heiligen Kunigunde ging.

Die Heilige Kunigunde verirrte sich im Wald über Bullenheim

Die Kunigundenkapelle hoch über dem Weinparadies

Die Heilige war oft unterwegs, nicht immer wegkundig. So auch in Bullenheim. Die Sonne ging bereits unter und Kunigunde fand keinen Weg aus dem Wald. Sie stieg vom Pferd, kniete nieder, betete und versprach den Bau einer Kapelle, vorausgesetzt, sie käme heil zurück. Prompt erklangen die Glocken der Bullenheimer Kirche, Kunigunde war gerettet. Die Ruine der Kapelle steht immer noch oben auf dem Berg.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.